Düsterer Blick in die Zukunft

Bei Ärzten und Bevölkerung macht sich bei Blick auf die Entwicklung des Gesundheitswesens zunehmend Hoffnungslosigkeit breit. (Bild: Biermann Medien)
Bei Ärzten und Bevölkerung macht sich bei Blick auf die Entwicklung des Gesundheitswesens zunehmend Hoffnungslosigkeit breit. (Bild: Biermann Medien)

03.12.2008 – KÖLN (MedCon) – Das Vertrauen in das deutsche Gesundheitswesen scheint sowohl bei der Bevölkerung als auch in der Ärzteschaft zu schrumpfen. Man sehe zwar, dass die Gesundheitsversorgung von der Bevölkerung und der Ärzteschaft noch für gut gehalten wird, aber die Mehrheit befürchtet eine Verschlechterung in der Gesundheitsversorgung, so Prof. Renate Köhler, Geschäftsführerin der Demoskopie Allenbach. Das Institut hat in Kooperation mit dem Finanzdienstleister MLP und mit Unterstützung der Bundesärztekammer präsentiert MLP den "Gesundheitsreport 2008" vorgelegt, der die Einschätzung von Ärzten und Bevölkerung zu den Veränderungen im Gesundheitswesen abbildet.

Von Birgit Grodotzki

Es ist eine deutliche Mehrheit, die sich skeptisch zeigt. Während die Ärzte die derzeitige Gesundheitsversorgung zu 80 Prozent noch als "gut" bis "sehr gut" einschätzen, glaubt mehr als die Hälfte, dass sie sich in den letzten Jahren qualitativ verschlechtert hat. Fast 90 Prozent der befragten Ärzte erwarten in den nächsten zehn Jahren die Entwicklung einer "Zwei-Klassen-Medizin". Der Kostendruck führt dazu, dass die Qualität der medizinischen Versorgung erheblich leidet, immerhin 69 Prozent der Ärzteschaft befürchtet sogar eine Zunahme des Drucks. Insbesondere im niedergelassenen Sektor fühlen sich viele Ärzte bereits persönlich vom Kostendruck durch die Krankenkassen betroffen: 69 Prozent klagten über einen starken bis sehr starken Druck. Bei den Krankenhausärzten hingegen scheint der Druck geringer: Lediglich 44 Prozent fühlten sich vom Kostendruck der Krankenkassen betroffen.

Die Zukunft wird verschieden bewertet
Ein düsteres Bild zeichnet die Ärzteschaft für den Beruf niedergelassener Arzt. Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte betrachtet ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage als schlechter im Vergleich zu der Zeit vor fünf Jahren. Die Krankenhausärzte hingegen betrachten ihre Situation mehrheitlich als unverändert. Erhebliche Unterschiede zwischen Niedergelassenen und Krankenhausärzten finden sich auch in der Prognose für die nächsten fünf Jahre. Während die meisten Krankenhausärzte davon ausgehen, dass sich nichts ändern wird, glauben 49 Prozent der niedergelassenen Ärzte, dass sich ihre Situation verschlechtern wird.

Keine Empfehlung für den Beruf
Die pessimistische Grundstimmung hält sich auch in der Beurteilung der Attraktivität des Berufes "Arzt". Knapp die Hälfte der Ärzteschaft hält den Arztberuf für weniger attraktiv, 54 Prozent glauben, die Attraktivität werde im Laufe der Jahre sogar abnehmen. Die Hälfte würde noch nicht einmal mehr dem Nachwuchs dazu raten, sich niederzulassen. Gleichzeitig aber rechnen 85 Prozent der Befragten, dass es in naher Zukunft zu einem Ärztemangel kommen wird, auch im Pflegebereich könnte es laut 76 Prozent zu Engpässen kommen.

Wirtschaftsfaktor Privatpatient
Unter 73 Prozent der befragten niedergelassenen Ärzte spielt der Privatpatient eine wichtige bis sehr wichtige Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis. Fast die Hälfte findet es deshalb in Ordnung, ihre Privatpatienten bevorzugt zu behandeln. Während die Hausärzte anscheinend noch gewisse Skrupel besitzen (48 Prozent gegenüber 40 Prozent Zustimmung), sehen Fachärzte darin kein Problem (52 Prozent).

Keine Gnade für die Gesundheitspolitik
Die befragten Ärzte haben zu 85 Prozent keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik. Sie befürchten beispielsweise durch die Einführung des Gesundheitsfonds einen zunehmenden Kostendruck (61 Prozent). Die Qualität könnte durch den Gesundheitsfonds leiden, glauben immerhin 42 Prozent der niedergelassenen Ärzte. Sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Ärzten herrscht große Skepsis gegenüber der dauerhaften Sicherung der Gesundheitsversorgung.

"Zukunftsfähigkeit heißt also, dass wir das Niveau, das wir heute haben, halten. Das wird wohl nicht so sein", befürchtet Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. "Es sei denn, wir steuern um und machen eine Gesundheitspolitik, die die Gesundheit in den Mittelpunkt stellt und nicht die Beitragsstabilität."

Die Ärzte hätten es lieber, wenn die Gesundheitspolitik sich entweder an die skandinavischen Länder oder die Schweiz anlehnen würde. Außerdem sei das Gesundheitssystem laut 84 Prozent der befragten Ärzte nicht auf den demografischen Wandel vorbereitet.
Diese Ergebnisse würden nach wie vor den hohen Reformbedarf untermauern, sagt Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender der MLP. Die Probleme müssten an der Wurzel gepackt werden und das seien im Wesentlichen die Demografie und der medizinisch-technischer Fortschritt.

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